PaedTag2016Einen ganzen Tag widmeten sich die Lehrerinnen und Lehrer des Leo-Sympher -Berufskollegs der Flüchtlingsproblematik. „Im Februar, auf einer Fortbildungsveranstaltung der EWSL, dem Leitungsgremium unserer Schule“ erläutert Knut Engels, Schulleiter, „ist die Notwendigkeit eines solchen Pädagogischen Tages, der die Flüchtlinge in den Mittelpunkt des Interesses stellt, deutlich geworden. Alle Teilnehmer waren von der Thematik und Problematik derartig betroffen, dass wir uns entschlossen haben, einen Schultag einzusetzen, um die Kolleginnen und Kollegen für dieses Thema zu sensibilisieren.“

In der Tat vergeht kaum ein Tag, an dem dieses Thema in den Medien Schlagzeilen gemacht hat. Dabei geht es um neue Zahlen, Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte, Äußerungen von Politikern und Entscheidungen des Innenministeriums, die den Strom eindämmen und gleichzeitig die Bevölkerung beruhigen sollen. Was hier ehrlich gemeint oder notwendig oder nur eine Reaktion auf die Proteste rechter Kreise ist – wer kann das noch beurteilen? Tatsächlich wissen wir viel zu wenig, haben wir keine Ahnung von der Lage der Flüchtlinge hier bei uns und dort in deren Heimat. Auch über die Gefühlslage, den täglichen Zwiespalt von Integrationsbeauftragten oder Asyl-Entscheidern wissen wir fast nichts.
In sechs Workshops hatten alle Teilnehmer die Möglichkeit, sich über drei Themen zu informieren, da jedes Thema doppelt besetzt worden war:
  • Asylverfahren / rechtliche Aspekte
  • Aspekte der Integration in Minden und im Mühlenkreis
  • Flucht und Ankunft in Minden
Für die ersten beiden Workshops konnten vier „Profis“ der Stadt Minden und der Kreisverwaltung gewonnen werden. Holger David und Dr. Matthias Niedzwicki für die rechtlichen Aspekte und Selvi Arslan-Dolma und Mehmet Rüzgar für Fragen der Integration. Quasi als Zeit- und Augenzeugen hatten sich drei junge Leute zur Verfügung gestellt, die erst seit vier Jahren in Deutschland und Minden sind: Das Ehepaar Mehdi und Mojgan Arabhoseini aus dem Iran und Waseem Zakhour (Auszubildender bei Sitex) aus Syrien.
Vor allem, was die drei Flüchtlinge berichtet haben, dürfte allen sehr nah gegangen sein. Einmal mehr hat sich bewahrheitet, dass sich Betroffenheit, Mitgefühl und Verständnis immer dann einstellen, wenn es die persönliche Begegnung gibt. Dann wird es auch ziemlich schwierig, die Entscheidungen gegen Asylgewährung, gegen Aufenthaltsgenehmigung, gegen Familiennachzug (auch aus Kriegsgebieten) mit tragen zu können.
Wir haben einen sehr informativen, dabei überaus intensiven Tag voller neuer Eindrücke und Bilder erlebt. Die Kolleginnen und Kollegen werden das mit Sicherheit in ihren Schulalltag mitnehmen.