Dr.-Ing. h.c. Leopold Sympher

Leo Sympher, wurde am 19.10.1854 in Hannoversch Münden geboren. So war der Sohn eines hannoverschen Offiziers von der Wiege an mit Werra, Fulda und Weser auf das Engste vertraut.

Die Planungen und Ausführung des Mittellandkanals als Verbindung zwischen Ems, Weser und Elbe am Südrand des Norddeutschen Tieflands sind sein Hauptwerk.

Weitere damit im Zusammenhang stehende Wasserbauten von Leo Sympher sind der Dortmund-Ems-, der Rhein-Herne-Kanal und die Eder- und Diemeltalsperre.




Das Berufskolleg und sein Namenspatron


Leo Sympher realisierte sein Werk unter Berücksichtigung ökologischer, wirtschaftlicher und ästhetischer Gesichtspunkte. Insofern war er seiner Zeit nicht nur voraus, sondern kann geradezu als Vordenker der heutigen Philosophie der Technik gelten. Unser Berufskolleg, das unterschiedliche berufliche Fachrichtungen bündelt, findet somit im Schaffen Symphers durchaus Programmatisches.

Untrennbar mit seiner Person ist sein wohl bekanntestes Bauwerk verbunden, das Wasserstraßenkreuz von Weser und Mittellandkanal in Minden. Somit symbolisiert der Name Leo Sympher auch die Verbindung des Berufskollegs mit dem gesamten Kreis Minden-Lübbecke, den die beiden Wasserstraßen prägen.

 


Leo´s Logo - Entwurf und Deutung - Dirk Schormann:



"Der horizontale strenge Balken deutet den Kanal, die geplante konstruierte Präzision an. Der vertikale Balken stellt die Weser dar, die natürliche, nicht planbare und durch Eigendynamik sich verändernde Wasserstraße. Beide Balken kreuzen sich und bieten damit die Möglichkeit eines Richtungswechsels oder einer konsequenten Fortsetzung eines einmal beschrittenen Weges. Schule hier also verstanden als Angebot, das Niveau von SchülerInnen und LehrerInnen zu verändern. Der vertikale Balken ist in zwei ungleiche Teile geteilt, was den Eindruck eines Ausrufezeichens entstehen lässt."

Mit einem Teil unserer Schulgeschichte, der Schifferberufsschule Petershagen, standen wir bis Mitte der neunziger Jahre über die Schüler und Schülerinnen und die Ausbildungbetriebe in direkter Verbindung zu den Binnenwasserstraßen Europas.

 

Der Mittellandkanal


 


Die Streckenführung


Der Mittellandkanal beginnt bei Bergeshövede in der Nähe von Rheine am Dortmund-Ems-Kanal und endet nach 321 km Länge bei Magdeburg an der Elbe. Dabei werden die Industriegebiete Ibbenbüren, Minden, Hannover, Braunschweig und Magdeburg direkt und Osnabrück, Hannover, Hildesheim und Salzgitter über Stichkanäle angebunden.

Durch geschickte Planung Symphers besitzt der Mittellandkanal zwischen Münster am Dortmund-Ems-Kanal und Hannover auf über 211 km einen gleichbleibenden Wasserspiegel, der bei Minden etwa 13 m über der Weser liegt. Deshalb wurde das Wesertal bei Minden mit einer Dammstrecke und der 1914 fertig gestellten Kanalbrücke überwunden. Nördlich dieser alten Brücke wurde 1998 im Zuge des Mittellandkanal-Ausbaus eine zweite Kanalbrücke über die Weser erstellt.

 


Schachtschleuse

In Minden wird die Verbindung zur Weser mit der Schachtschleuse sowie zusätzlich der Ober- und Unterschleuse geschaffen.

Die Wasserverluste des Mittellandkanals durch Schleusenbetrieb, Verdunstung und Versickerung werden mit dem Pumpwerk Minden ersetzt, das Weserwasser in den Kanal fördert. Um diese Wasserentnahmen auszugleichen und so Nachteile für Schifffahrt und Landeskultur im Weserraum vermeiden zu können, wurden nach Symphers Ideen 1908 bis 1914 die Edertalsperre (202 Mio. m³ Stauraum) und 1912 bis 1923 die Diemeltalsperre (20 Mio. m³) errichtet.


Geschichte

Mit dem Bau des Mittellandkanals zwischen Bergeshövede und Hannover wurde im Jahre 1906 begonnen. Auf dem Kanalabschnitt bis Minden konnte der Verkehr 1915, bis Hannover 1916 aufgenommen werden. Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurden die Arbeiten zum Bau des Mittellandkanals auch als Maßnahme zur Arbeitsbeschaffung ostwärts von Hannover vorangetrieben. 1928 wurden die Hindenburgschleuse in Anderten sowie der Stichkanal nach Hildesheim, 1929 der Hafen Peine, 1933 der Braunschweiger Hafen frei gegeben. Mit der Schleuse Sülfeld sowie dem Schiffshebewerk Rothensee bei Magdeburg konnte der Mittellandkanal 1938 fertig gestellt werden. Über den Elbe-Havel-Kanal und die Wasserstraßen östlich Berlins war auch die Verbindung zur Oder hergestellt. Damit war Leo Symphers Idee, einen durchgehenden Wasserweg zwischen West- und Ostdeutschland zu schaffen, Wirklichkeit geworden.

Die Arbeiten an der Kanalbrücke über die Elbe mussten kriegsbedingt 1942 eingestellt werden. Noch heute muss die Schifffahrt in Richtung Berlin über das Schiffshebewerk Rothensee zur Elbe absteigen, etwa 10 km stromabwärts fahren, um dann in den Elbe-Havel-Kanal zu gelangen. In den Sommermonaten führen die Niedrigwasserstände der Elbe dabei zu erheblichen Beeinträchtigungen. Nach der Vereinigung wurden die Planungen und Bauarbeiten für die Kanalbrücke über die Elbe erneut aufgegriffen. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2003 geplant.

 

Weserausbau

Die Weser entsteht in Hannoversch Münden aus dem Zusammenfluss von Werra und Fulda. Bis zur Mündung in die Nordsee ist sie 477 km lang. Längere Trockenperioden im Sommer und Herbst, Hochwasser und in früheren Zeiten Eisgang im Winter und Frühjahr führten häufig zu Einschränkungen bis hin zur Einstellung der Schifffahrt.

Zur Wasserhaltung des Mittellandkanals wurde von Leo Sympher im Einzugsbereich der Weser die Edertalsperre mit 202 Mio. m³ und die Diemeltalsperre mit 20 Mio. m³ Inhalt errichtet. Diese sollten im Sommerhalbjahr Zuschusswasser in die Weser als Ersatz für die in Minden zu entnehmenden Wassermengen zur Versorgung des Kanals liefern. Gleichzeitig wurde der Hochwasserschutz, die Energiegewinnung und eine Erhöhung des Wasserstandes der Oberweser für die Schifffahrt erreicht.

In Dörverden an der Mittelweser zwischen Minden und Bremen wurde schon in den Jahren 1907 - 1914 eine Staustufe errichtet. Durch das Wasserkraftwerk wurde das Hauptpumpwerk Minden über eine eigene Hochspannungsleitung für einige Jahrzehnte mit elektrischer Energie versorgt. Außerdem konnte in Trockenzeiten Weserwasser für die Bewässerung von landwirtschaftlichen Flächen zwischen Hoya und Bremen abgegeben werden.

Im Jahre 1934 wurde mit den Arbeiten zur Kanalisierung der Mittelweser durch fünf weitere Staustufen in Petershagen, Schlüsselburg, Landesbergen, Drakenburg und Langwedel begonnen. Infolge der Kriegsereignisse wurden die Arbeiten eingestellt und erst 1960 abgeschlossen. An jeder Staustufe wird die vorhandene Weserschleife mit einem Durchstich für den Schiffsverkehr begradigt. Das zur Staustufe gehörende Wehr mit Wasserkraftwerk befindet sich jeweils in der Weserschleife. Mit den sieben Kraftwerken werden pro Jahr etwa 200 Mio. KWh elektrischer Energie auf besonders umweltfreundliche Weise erzeugt. Durch die Stauregelung der Mittelweser steht der Schifffahrt heute zwischen Minden und Bremen eine Fahrwassertiefe von mindestens 2,50 m zur Verfügung.